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Zur Bedeutung der Wörter: Schlesien, Schlesier, Schlesisch Drukuj Email

Mit der Frage nach der Begriffsherkunft Schlesiens befassen sich seit Jahren deutsche, tschechische und polnische Forscher.

In der Geschichte gab es unterschiedliche Versuche, den Sinn des Schlesienbegriffs abzuleiten. Im 9. und 10. Jahrhundert, als dieses Gebiet zu Polen gehörte, bezeichnete man die dort lebende Bevölkerung als die Silinger, später Slensanen, die das Gebiet um den Berg und Fluss Slensa, auf dem linken Oderufer, besiedelten. Das Land wurde Silesia, Schlesia, Slensa (Pagus Silensis – Erde der Slensanen in der Thietmarschronik) genannt.

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Das Wappen Schlesiens
aus dem Jahr 1645

 

 

 

 

 

Heutzutage ist die Terminologie Schlesiens in den polnischen und deutschen Arbeiten nicht einheitlich. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Interpretationen der Geschichte, was zu verschieden konnotierten Begriffen führte. U. a. wird die geografische Lage Schlesiens von den Deutschen sowie von den Polen unterschiedlich verstanden:
Im deutschen Sprachgebrauch werden unter Schlesiern v. a. die Einwohner der ehemaligen preußischen Provinz Schlesien verstanden. Heutzutage befindet sich in Ostdeutschland nur ein kleiner Teil Schlesiens – der sächsische Landkreis Niederschlesischer Oberlausitzkreis. Der weitaus größte Teil Schlesiens befindet sich im Südwesten Polens und zieht sich von Grünberg (Zielona Góra) im Nordwesten bis Kattowitz (Katowice) im Südosten der ehemaligen Provinz. Diese wurde im 1921 in zwei Provinzen aufgeteilt: Nieder- und Oberschlesien.
Nach der Teilung Oberschlesiens durch die neue deutsch-polnische Grenze bezeichnete man den an Polen abgetretenen Teil als Ostoberschlesien.

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 Die polnische Bezeichnung Schlesiens bezieht sich auf den nach 1921 an Polen abgetretenen Teil Oberschlesiens, also jenes Industriegebiet um Kattowitz und, wie in der deutschen Bezeichnung, auf die gemeinsame historische Provinz Schlesien. Die Region „Niederschlesien“ wird in der polnischen Forschung auf die gleiche Art und Weise wahrgenommen wie in der deutschen Forschung. Die Region „Oberschlesien“ allerdings bezieht sich sowohl auf das ostoberschlesische Industriegebiet (Woiwodschaft Schlesien), als auch auf die westoberschlesische Region um Oppeln (Woiwodschaft Oppeln/Oppelner Schlesien).Seit dem Jahr 1950 werden also drei Bezirke unterschieden: Woiwodschaft Niederschlesien und zwei oberschlesische Regionen: Woiwodschaft Oppeln und Woiwodschaft Schlesien.

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flagaWeitere zwei Regionen Schlesiens befinden sich zum einen in Ostdeutschland (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) und zum anderen in Tschechien (Mährisch-Schlesien).
Die polnischen Bücher sprechen heute oft von Schlesien als den „wiedergewonnenen Gebieten“ und unterstreichen dabei die im frühen Mittelalter bestehende Zugehörigkeit zu Polen.
Oberschlesien verfügt über seine eigene Flagge. Sie entstand aus dem Wappen des Regierungsbezirks Oppeln. Dieser zeigt einen Adler, eine Sense und Werkzeuge des Bergbaus in Gold auf blauem Grund. Daher die Anordnung der Farben: Gold und Blau.

 Laut Encyklopedia Powszechna (PWN) leben in Schlesien Menschen unterschiedlicher Herkunft. Es sind verschiedene Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen kulturellen und nationalen Identitäten. Im 19. und 20. Jahrhundert bezeichnete man die Schlesier als einheimische Bevölkerung, die Schlesien bewohnte. Die schlesische Gruppe war ungewöhnlich unterschiedlich im Bezug auf die Sprache (eigenständige Mundarten) und auf die Kultur. Auf den sprachlich-kulturellen Unterschied hatten geographische Bedingungen (u. a. die Bergregion) und ökonomisch-soziale Verhältnisse (ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es eine intensive Bergbau- und Industrieentwicklung, die die bergmännischen Gruppen, die mit der schlesischen Gruppe identifiziert worden waren, abgespalten hat) einen großen Einfluss.

Im Zusammenhang mit den Begriffen Schlesien, Schlesier ist das Attribut autochthon zu erklären, das relevant für diese Ausarbeitung ist. Autochthone in Bezug auf Schlesier, werden als „(...) alteingesessene Bevölkerung ursprünglich polnischen Volkstums, die nach Jahrhunderten der Germanisierung im historischen Jahr 1945 zum Mutterland zurückgekehrt waren (...)“ verstanden.

Die Kultur der autochthonischen Bevölkerung Schlesiens, vor allem auf dem Gebiet, das bis 1945 innerhalb der deutschen Grenzen blieb, war den Einflüssen der deutschen Kultur ausgesetzt, früher der tschechischen. Die wesentliche Andersartigkeit der schlesischen Kultur und die komplizierte Geschichte Schlesiens entwickelten ein starkes Heimatgefühl, das sich erstmals im 19. und 20. Jahrhundert bei den Einen in ein Gemeinschaftsgefühl mit Polen, bei den Anderen mit Deutschland verwandelte, und drückt sich heute bei der Mehrheit als regionale Identität aus.

Die Mehrheit dieser Gesellschaft charakterisiert und identifiziert sich zunächst mit den Schlesiern, mit dem schlesischen Dialekt und schlesischen Gebiet, und stellt erst später die Frage nach der deutschen oder polnischen Nationalität, was noch des weiteren erörtert wird. Die ethnische Identifikation ist vielen viel wichtiger als die nationale Zugehörigkeit. Weil sich die Schlesier in Polen ständig unterdrückt und diskriminiert fühlen und sie in Deutschland auch wieder nicht voll akzeptiert werden, sind ihre Herzen wahrscheinlich so sehr mit dem schlesischen Dialekt und der schlesischen Erde verbunden. Heutzutage, angesichts der politischen und gesellschaftlichen Änderungen in Schlesien, kann und wird der Begriff Schlesier nicht nur auf die autonome, ortsansässige Bevölkerung bezogen, sondern auch auf die polnische Bevölkerung, die aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten nach Schlesien angesiedelt wurde und die seit vielen Generationen dieses Territorium bewohnt und sich ebenfalls damit identifiziert. Das betrifft auch die schlesische Gesellschaft, die sich zu der deutschen Option bekennt und mit Schlesien durch die Geburt, Einquartierung und Tradition verbunden ist und sich mit der deutschen Minderheit in Polen vereinigt.
Oberschlesien ist sprachlich ein Mischgebiet. Es wird neben Polnisch auch noch Deutsch und Schlesisch gesprochen. In dieser Arbeit ist es von Bedeutung, diese schlesische Sprache genauer zu untersuchen, denn sie besitzt im Leben der Minderheitsangehörigen einen relevanten Platz. (s.u.)
Die Probleme bei der sprachlichen Betrachtung des Schlesischen sind vielfältig. Die Sprachwissenschaftler sind sich darüber nicht einig, ob Schlesisch als ein polnisch-slawischer Dialekt mit zahlreichen Einflüssen aus dem Deutschen und auch aus dem Böhmisch-Mährischen oder als eine eigenständige Sprache betrachtet werden soll.
Ein Argument für die Eigenständigkeit und Eigenart des Schlesischen ist, dass dieser Dialekt durch die Vermischung der polnischen, tschechischen und deutschen Sprache entstanden ist und somit eine Volksgruppe von anderen abgrenzt.
Obwohl die Tradition der Eigenartigkeit dieses Dialektes stark in der schlesischen Geschichte begründet ist, entwickelt sich das Schlesisch dennoch in vielen seinen Einzelheiten ähnlich wie die anderen Dialekte Polens. Somit wird die Möglichkeit für die Anerkennung des Schlesischen als eine einzelne und separate Sprache geringer. Aus diesem Blickwinkel taucht unter den Sprachwissenschaftlern ein widersprüchliches Argument auf, nämlich dass Schlesisch ein polnischer Dialekt ist, da seine Grammatik weitgehend mit der polnischen identisch ist. Weiter besitzt Schlesisch keine sprachliche Merkmale, die es von anderen Dialekten Polens abheben würden. Es wiederholt sich mindestens ein phonetisches oder morphologisches Merkmal bei ihnen. Darüber schreiben die Wissenschaftler der schlesischen Dialektographie, wie z.B. K. Nitsch: „Schlesisch hat keine sprachlichen Eigenschaften, die es positiv kennzeichnen würden. Man kann nur das Prefix „je-“ im Wort „jegła“ auszeichnen [dt. Nadel, pl. Igła – M.S.], denn schon z.B. der Vokal „i“ nach dem frikativen „r“ oder die Zugabe des Konsonants „-ch“ am Ende des Wortes, was eigentlich auch im Kleinpolen auftritt, können als Archaismen keine entscheidende Bedeutung dabei haben.“

Die Nähe der Phonetik, Wortbildung und Flexion des Schlesischen mit anderen Dialekten Polens zeigen deutlich, dass sie gemeinsam eine Einheit des Polentums verbindet. Es gibt lediglich mehrere Germanismen41 und Einflüsse aus dem Tschechischen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Schlesisch ein deutscher Dialekt ist (was viele Personen durch die zahlreichen Entlehnungen aus dem Deutschen meinen). Dieses Unverständnis erklärt der bekannteste zeitgenössische polnische Sprachwissenschaftler Jan Miodek, der einen großen Einfluss auf die Popularisierung der schlesischen Mundarten in Polen hatte und hat, indem er sie in der Zeitschrift „Śląsk“ [Schlesien] beschreibt: „Die Germanismen [der schlesischen Mundart – M.S.] zeugen sehr deutlich von ihrem Polentum, indem die entlehnten Formen dem polnischen Sprachsystem angepasst sind.“ Trotz der starken lexikalischen Einflüsse aus dem Deutschen hielt sich die polnische Grammatik, Aussprache und Wortbildung im schlesischen Dialekt sehr gut. Bewundernswert ist der Widerstand der schlesischen Mundarten, die mit den Germanismen zurechtkamen.

Die Mehrheit der Sprachspezialisten ist der Meinung, dass die schlesische Sprache mindestens drei Varianten hat, die sich sowohl im Wortschatz, wie auch in der Phonetik unterscheiden. Laut Encyklopedia Języka Polskiego treten die drei Varianten in folgenden Grenzen des schlesischen Dialekts:
- nördliches Schlesien (oder Tscheschiner Schlesien)
- südliches Schlesien (oder Oberschlesien)
- und manchmal auch mittleres Schlesien ( oder Oppelner Schlesien)

Die Forscher Marian Kucała und Alfred Zaręba unterscheiden vor allem Süd- und Nordschlesien. Das mittlere Schlesien erwähnen sie in ihren Arbeiten nur beiläufig, wahrscheinlich deshalb, weil man sich nur gering mit den Mundarten des Industriegebiets beschäftigt. Beide Forscher sind sich einig, dass die schlesischen Mundarten nicht gleich sind:
„Schlesien ist von den Beskiden bis nach Großpolen im Norden sprachlich nicht einig. Vor allem teilt es sich in Süd und Nordschlesien, in denen man noch weitere Mundarten unterscheiden kann. (…) Masurieren ist die Grunderscheinung, die entscheidet, ob der schlesische Dialekt zu Nord- oder Südschlesien zugehörig ist: Südschlesien kennt kein Masurieren, wobei Nordschlesien masuriert. Weiter schreibt Zaręba, dass die südschlesischen Mundarten mehr differenziert sind als die nordschlesischen Mundarten, die mehr homogen und einheitlich sind. Der Grund dafür ist die geographische Gestaltung Schlesiens - die tscheschinischen Mundarten treten im bergigen Territorium, die oberschlesischen Mundarten im Flachland auf.

Die geographische Verschiedenheit der schlesischen Wörter kann sehr gut mit Hilfe des „Sprachatlas Schlesien“ vermittelt werden. Dieser Atlas zeigt Landkarten Schlesiens, die einige ausgewählte Wörter vorstellen, an denen die geographische Verschiedenheit deutlich zu sehen ist. Es werden die Beziehungen zu den anderen Dialekten Polens wie auch zur polnischen Sprache selbst beobachtet. Interessant ist die Lokalisierung der Entlehnungen aus dem Deutschen. Sie träten meistens unerwartet auf. Man hätte gedacht, dass dort, wo die Germanisierung während des II Krieges am stärksten war, am häufigsten die deutschen Wörter erschienen. Das Gegenteil ist der Fall. Aus dem „Sprachatlas Schlesien“ folgt, dass die Germanismen nicht unbedingt auf dem Gebiet lebendig sind, wo die deutschen Einflüsse am stärksten waren. Es ist ein Resultat dessen, dass auf diesem Territorium ein deutlicher Kampf des Polentums mit den entlehnten Elementen aus Deutschland herrschte. Im Zentrum Schlesiens, also im Oppelner Schlesien, wo der Einfluss der Germanisierung am deutlichsten zu spüren war, trifft man oft auf den Namen „Kołodziej“ – einen polnischen Nachnamen. In Nordschlesien würde sich dieselbe Person „Stellmach“ oder „Stelmach“ nennen – aus dem Deutschen. „Kołarz“ würde sie im Südschlesien heißen durch den Einfluss des Tschechischen. Dies ist zwar nicht die Regel, denn im Oppelner Schlesien kommt der Name „Stelmach“ auch häufig vor, aber der Einfluss der polnischen Sprache oder sogar des Altpolnischen ist dort, unter den drei Arten des schlesischen Dialekts, am stärksten zu beobachten.

Die schlesischen Mundarten wurden größtenteils in den polnischen Schulen nach dem Zweiten Weltkrieg bekämpft. Schlesisch wurde unter den polnischen Lehrer ungern gehört, denn schlesische Kinder von der deutschen Zugehörigkeit zeugen. Dazu sind diese Mundarten gespickt mit deutschen Entlehnungen, was nach Meinung vieler Lehrkräfte ein Grund für ein schlechtes Ansehen der Kinder durch diese Lehrkraft war.

Zum Problem der Erhaltung von Minderheitensprachen,
untersucht am Beispiel des Deutschen in Oberschlesien
unter besonderer Berücksichtigung des so genannten
„Oppelner Schlesien“

 Monika Starosta 2006 r.

 
 
Admin Konrad K.