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Das Schulwesen Drukuj Email

Die Anfänge des Schulwesens in Klein Döbern reichen in das Jahr 1869. Die Klein Döberner haben ihre eigene Schule erbaut, weil es ausreichend Kinder im Dorf gab, um ein Schulwesen einzuführen. Davor gingen die Schüler aus Klein Döbern in die Groß Döberner Volkschule. Im Jahr 1869 zahlte die Schule ungefähr 60-70 Schüler und bestand aus zwei Klassenräumen und einer Lehrerwohnung. Am Anfang des 20. Jahrhunderts (zwischen 1902 und 1906) ist Peter Kollibabe ins Dorf eingezogen und hat seitdem in der Volksschule unterrichtet. Seine   Amtszeit als Hauptlehrer reicht bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin. Nach dem Krieg durfte er nicht mehr unterrichten, weil das polnische Schulwesen eingeführt wurde. Er galt als ein strenger, aber auch ein guter Lehrer: „Beim Kollibabe gab's das „kleine 1*10" (Multiplizieren zwischen 1 und 10) und das „große 1*20" z.B. 3*19,4*20 usw. Er hat das beigebracht".

Im Jahr 1913 wurde Klein Döbern in die Pfarrgemeinde Groß Döbern eingegliedert. Die Kinder hatten seitdem einen kürzeren Weg zum Beichtunterricht (zuvor Klosterbruck). Wegen des Ersten Weltkrieges gab's weniger Kinder im Dorf. Die 8. Klasse des Jahrgangs 1918/1919 zählte im Jahr 1933 15 Schüler. Die Zahl der Kinder im Dorf hochgestiegen. Im Jahr 1927 gab's in der Schule 141 Schüler, was eine Vergrößerung der Schule im Jahr 1929 zufolge hatte: "Zuerst waren hier nur zwei Klassen. Später hat man die Schule vergrößert, weil das Dorf größer geworden ist. Seitdem gab's 3 Klassen (...) Wir waren froh, denn wir hatten frei gehabt (...)"

Die Schüler der acht Jahrgange wurden in drei Klassen aufgeteilt: "Es waren drei Lehrer. Infolgedessen mussten die Jahrgänge verbunden werden, sonst müssten acht Lehrer lehren. Wir hatten aber nur drei Schulzimmer zur Verfügung. In einer Klasse gab es drei Jahrgänge (bzw. zwei in der Unterstufe - Autor). Einen anderen Ausweg gab es nicht."


So kam es also, dass ein Lehrer 30-40 Schüler unterrichten musste. Für die Unterstufe war der Lehrer Sobota (später Pohl) zuständig. In der Mittelklasse lehrte Wiktor Foryta (ab 1.12.1936 Janik) und um die Ausbildung der Oberstufe kümmerte sich der Hauptlehrer P. Kollibabe. Die Mädchen wurden zusätzlich von der Ehefrau des Hauptlehrers- Gretel, in Handarbeiten gelehrt. So verlief das Unterricht in den 20' Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war nicht einfach. Die Schüler gingen in sauberen-, vor allem aber in einfachen Anziehsachen in die Schule: "Man war nicht elegant gekleidet. Wenn einer arm war, dann hat er die Schuhe vom Vater angezogen. Es war eine schwere Zeit."

Die Lehrer waren streng. Jeder Schüler wusste, dass man sich im Unterricht anständig benehmen muss. In den 20' Jahren durfte ein Pädagoge auch mit einem Stock erziehen: "Früher hatte man Respekt vor dem Lehrer gehabt. Er hat aber auch zugeschlagen... "

So gab's auch einen unglücklichen Todesfall am Schulhof der Volksschule. Eine 10-jährige Schülerin wurde in der Nähe des Herzen vom Stock des Lehrers getroffen, und musste damit ihr noch junges Leben beenden. Grundsätzlich wurden die Schüler geschlagen, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben oder durch schlechtes Verhalten aufgefallen sind. Die ehemaligen Schüler hatten damals "viel Respekt", vielleicht auch ein bisschen Angst vor ihren Erziehern. Heutzutage lachen sie drüber und meinen, dass es halt "andere Zeiten" waren. Der Lehrer Foryta war dafür bekannt, dass er den Religionsunterricht auf eine, für  damals, besondere Art und Weise durchgeführt hatte: "Der Lehrer Foryta hat die Religion gelehrt, die biblische Geschichte. Er hat alles zuerst polnisch erklärt und dann deutsch." Dank dessen konnte jeder Schüler verstehen, was der Lehrer gesagt hat.


Seit 1933 gab es im Dorf einen neuen Lehrer. Er hieß von Mayer und hat den Schülern die Geschichte beigebracht. Die Klein Döberner haben zuvor auch den Geschichteunterricht gehabt, doch es ging um die Einprägung der Geschichte, die mit dem Nationalsozialismus verbunden war. Er war besonders streng, jeder seiner Schüler musste die damaligen Minister des NS- Regimes kennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen polnische Lehrer in die Schule, und selbst der langjährige Schulleiter Kollibabe musste seinen Posten verlassen.


Im Jahre 1928 begann der Unterricht einheitlich um 8 Uhr. Zuvor gab's folgende Aufteilung: im Sommer um 7 Uhr und im Winter um 8 Uhr. Gegen 12 Uhr wurde eine einstündige Pause gemacht. Die Schüler konnten sich für das Nachmittagsunterricht vorbereiten (Klapacz) oder kurz nach Hause gehen (Klein Döberner). Ungefähr um 15 Uhr hatten die Lehrlinge die Schule verlassen. Wenn das Sommer besonders heiß war, viel der Unterricht aus: "Im Sommer, wenn es Hitze war, wenn um 10 Uhr im Schatten 25° C waren, gab's hitzefrei."


Die Pausen zwischen den Stunden wurden nach folgendem Schema gestaltet: "Alle mussten aus der Klasse rausgehen. Es durfte keiner zurückbleiben. Es wurde gelüftet. Im Hof musste man mit dem Ball spielen (...) Man durfte nicht stehen." Dank dessen hatte jeder Schüler nach der Stunde abreagiert, und konnte erholt weiter lernen. In den 20' und 30' Jahren ging man vom Montag bis Samstag in die Schule. Die Fächer waren: Religion (Katheheus und biblische Geschichte), Deutsch, Mathematik, Naturkunde, Geschichte, Handarbeiten (Mädchen), Gesang, Rahmenlehre und Sport. Nicht alle Schüler hatten dieselben Fächer. Die Unterrichtsfächer haben sich im Laufe der Zeit verändert und wurden von den Lehrern variiert: "Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag war Religion. Mittwoch und Sonnabend war Rechnen. Es gab noch Gesang (...). Deutsch war die ganze Woche, jeden Tag." Schon damals war's üblich, dass das eine oder andere Kind die Klasse wiederholen musste. Im Deutschunterricht gab's die bekanntesten deutschen Dichter wie: Goethe, Schiller, Freytag und die Gebrüder Grimm. Nach 1933 wurden in die Lesebücher Propagandaschriften der NS- Fachkräfte zugefügt.


Welche Möglichkeiten hatte ein Kind, um nach der Volksschule weiter zu lernen? Vieles hing von der materiellen Situation der Eltern ab Nach der Grundschule mussten die Eltern für die Fortbildung des Kindes bezahlen, weil die Gymnasien und andere Schularten nach der Grundschule gebührbedürftig waren Primär zählte das Wissen und die Intelligenz des Kindes: "Um nach Oppeln zufahren ins Gymnasium oder Lyzeum - das hat sich in den ersten vier Jahren entschieden. Dann hat der Lehrer bei der Beratung oder am Ende des Schuljahres den Eltern gesagt: "Schicken sie die Tochter nach Oppeln, die ist fleißig, und wenn es nicht möglich war, hat er gefordert, dass das Kind zu einer Berufsausübung geschickt wird. Der Lehrer hat gewusst, wie gut das Kind war." Die begabtesten Schüler haben sich fortgebildet. Es waren nicht viele. Die Klein Döberner Volksschulabsolventen besuchten u.a. die Missionshäuser in Leobschütz und Neiße, das Burggymnasium und die Landwirtschaftsschule in Oppeln. Andere hatten die Möglichkeit eine dreijährige Fortbildungsschule in Klein Döbern zu besuchen: "Nach den acht Jahren gab's hier in Klein Döbern eine Fortbildungsschule. Die hat drei Jahre gedauert. Ich ging bloß zwei, weil ich dann in die Landwirtschaftsschule nach Oppeln ging." Die Mehrheit aber blieb zu Hause und hat den Eltern geholfen, um später Familien gründen zu können. Die weitere Ausbildung konnte sich nicht jeder leisten. Andererseits hat ein Teil der Schlesier keinen großen Wert auf die Fortbildung ihrer Kinder in der Weimarer Republik gelegt: "Die staatlichen Arbeitsstellen z.B. des Försters, des Schleusenmeisters, des Straßenmeisters wurden von einer Person außerhalb des Dorfes bekleidet. Erstens erschienen wir in den Augen des Regimes nicht glaubwürdig genug. Zweitens waren die "weiter" als wir Oberschlesier. Es war halt üblich, dass ein Schlesier mit 14 Jahren in die Arbeit gehen musste und nicht weiter zur Schule."

Um ein Studium absolvieren zu können, mussten viele Faktoren zusammenkommen. Andreas Pampuch war der berühmteste und wohl einziger Student aus Klein Döbern. Er studierte in Breslau, und wurde 1934 Doktor für Philosophie. Es war eine außergewöhnliche Leistung für die damaligen Zeiten.

Im heutigen Zeitalter ist es verständlich, dass fast jeder Klein Döberner ein Gymnasium besucht, um später an einem Lyzeum sein Abitur zu machen. Es gibt inzwischen ungefähr 20 Studenten im Dorf, die verschiedene Hochschulen besuchen.


Damit sich der Leser die Verhältnisse aus den 20' Jahren vorstellen kann, führe ich ein Interview mit einer Schülerin aus dem Jahrgang 1922 vor. Hier sind die Erinnerungen aus der Schulzeit einer Klein Döbernerin:

"Im Jahre 1928 ging ich das erste Jahr zur Schule. Es war am 1. April. Früher begann die Schule nicht am 1. September, sondern am 1. April (...). Die Sommerferien waren kürzer. Es gab auch die Oster und Weihnachtsferien. Die Schule begann immer um 8 Uhr. Im Winter gab 's zusätzlich die Nachmittagsschule. Es sah so aus: um 8 Uhr begann der Unterricht es ging entweder bis 11 oder 12 Uhr. Und am Nachmittag von 13 bis 15 Uhr. Wir haben also eine Stunde frei gehabt, doch unsere Freunde aus Klapacz (an der Grenze zu Wäldchen) mussten in der Schule warten (...) Zu meiner Zeit gab 's drei Klassen: die Unterklasse hat der Lehrer Pohl geleitet, für die Mittelklasse war Herr Foryta zuständig, und die Oberklasse leitete der Lehrer Kollibabe. Die Unterklasse entsprach zwei Lehrjahren. In der ersten Klasse musste man mit Kreide auf einer Schiefertafel schreiben, an der ein nasser Schwamm zum wischen befestigt war. Ab der zweiten Klasse hat man im Heft geschrieben. Ich habe die gotische Schreibweise gelernt (...). Die Mittelklasse bestand - wie die Oberklasse - aus einer dreijährigen Lernzeit. Peter Kollibabe war der Hauptlehrer. Wir mussten sauber angezogen sein und es gab keine Schuluniform. Jeder hatte einen Ranzen oder eine Tasche für die Bücher."


Welche Fächer wurden zu ihrer Schulzeit unterrichtet?

"Deutsch, Geschichte, Rahmenlehre (u.a. Rechnen, Schreiben), Gesang (Volkslieder), Handarbeit (Häkeln, Stricken, Sticken) und Religion zwei Mal die Woche: Dienstags und Freitags eine Stunde. Einmal Katheheus und einmal Bibelunterricht. Sport gab's auch, wir haben u.a. Völkerball gespielt (...) Im Deutschunterricht haben wir u.a. Aufsätze geschrieben und Gedichte vorgetragen. Wenn der Herbst gekommen ist, gab's immer einen Aufsatz: ,Der Herbst als Maler' und zu Winterzeit: ,Der Winter als Künstler'."


Über welche Kompetenzen hat der Lehrer verfügt?

"In der Klasse gab's große Bänke, jeder hatte seinen Platz gehabt. Wir saßen zu viert oder fünft in einer Bank. Drei Lehrer waren auf ungefähr 140 Schüler zugeteilt. Ein Lehrer hat es geschafft 30- 40 Schüler zu unterrichten. Früher hatte man Respekt vor dem Lehrer gehabt. Er hat aber auch zugeschlagen. Heute sieht das ganz anders aus. (...) Der Lehrer war eine Autorität. Es war halt anders...

In den Pausen haben die Lehrer auf dem Schulhof spaziert: immer hin und her. Sie waren "auf Draht". Die Kinder haben auf dem Schulhof herumgetobt"(...). Der Lehrer Foryta hat später ausgebaut. Zuvor hat er aber oben an der Schule gewohnt, und der Kollibabe unten. Pohl hat eine andere Wohnung gehabt."


Konnte man sich nach der Grundschule fortbilden?

"Meine Geschwister waren gute Schüler. Zwei meiner Brüder konnten im Büro aushelfen. Die anderen zwei Brüder waren nach Neiße-Heiligkreuz mit 12 Jahren ins Missionshaus ausgezogen. Ein Bruder ist nach Leobschütz ins Missionshaus Mariatreu gegangen. Er hat später sein Abitur in Oppeln im Burggymnasium gemacht. Oppeln, Neiße und Leobschütz - das waren die Möglichkeiten zur Fortbildung. "


Wie hat sich das Schulwesen nach 1945 verändert?

"Nach 1945 hat sich alles verändert. Der Lehrer Kollibabe durfte nicht mehr lehren. Es war aus mit dem deutschen Unterricht. Manche Jahrgänge konnten die Schule nicht zu Ende machen. Man durfte nicht mehr Deutsch sprechen, es war verboten. Es war nicht einfach sich umzustellen..."


Nach 1945 hat sich das Schulwesen in Klein Döbern arg verändert. So wurden die deutschen Lehrer nicht mehr "gebraucht". Polnische Fachkräfte haben seit Kriegsende in polnischer Sprach unterrichtet. Viele Klein Döberner haben ihre Ausbildung abgebrochen. Manche sind in andere Dörfer gefahren, um dort die letzten Klassen abzuschließen. Die Schlesier haben viele Probleme mit der polnischen Hochsprache gehabt: "Ich kann mich noch an eine Geschichte erinnern. Die Lehrerin fragte ihren Schüler: ,Franek, was siehst du auf dem Bild?'. ,Proszę  pani toje ptolk', antwortete der Schüler. Sie korrigierte den Schüler: ,To jest ptak´. Und dann fragte sie einen anderen Schlesier: ´Und was siehst du?´ Da dachte sich der Schüler: ´Jak ptolk to je ptak, to to nie je sroka yno sraka.' So war's..." So humorvoll es klingen mag, es entsprach der damaligen Wirklichkeit. Die Schüler haben Russisch als Fremdsprache gelernt, das Deutsche war streng verboten. Seit 1955 konnten sich die Klein Döberner in Groß Döbern fortbilden. Dort wurde ein Lyzeum gegründet. Im Jahre 1964 wurde die Schule für 145-180 Schüler zu klein. Man entschloss sich für eine Vergrößerung. Den Entwurf des Ausbaus schlug der damalige Schulleiter Tadeusz Michno vor. Das Projekt wurde von den Eltern angenommen. Am 8.2.1964 begann der Umbau des alten Schulgebäudes. Für die Dokumentation war Herr Bernard Wieczorek zuständig. Die Erweiterung wurde am 20.10.1965 beendet. Seitdem verfugten die Schüler über sieben Klassenräume auf zwei Etagen. Der Schulleiter Michno überzeugte die Eltern zum Bau einer Turnhalle. Der Neubau der Sporthalle dauerte länger als der vorherige Umbau der Schule. Im Jahre 1980 wurde die Wasserleitung angeschlossen und die Toiletten befanden sich im Gebäude der Schule. Die Schule funktionierte prächtig: die Anzahl der Schüler betrug im Jahr 1990 ungefähr 120 Personen. Mehr als 10 Lehrer unterrichteten die Schüler aus: Klein Döbern, Groß Döbern in der Nähe der Werft, Finkenstein (Brzezie) und Wäldchen (dort gab's nur drei Klassen). Im Jahre 1992 fing man Deutsch als Fremdsprache nach 47-jähriger Auszeit zu unterrichten. Doch dann kam der Bruch. Der Jahrgang 1983 war der letzte, der mehr als 15 Schüler beinhaltete. Die Geburtenrate des Dorfes wurde immer kleiner, so dass am Ende der 90' Jahre zwei Jahrgänge in einer Klasse unterrichtet wurden. Die Vielzahl der Lehrer wurde entlassen. Das Erhalten des Schulkomplexes war für die Gemeinde und für den Staat nicht mehr rentabel. Im Jahr 2001 wurde die Grundschule in Klein Döbern geschlossen. Die Schüler wurden nach Groß Döbern umgesetzt. Im ehemaligen Gebäude der Grundschule wurde eine Fachschule eröffnet, die zusammen mit dem Gymnasium und Lyzeum in Groß Döbern ein Schulkomplex bildet. Seit 2002 wird die Schule umgebaut. Die Klassenräume wurden renoviert, ein Computerraum ist entstanden, und die Turnhalle soll demnächst umgebaut werden. Es ist der dritte Umbau nach 1929 und 1964. Heutzutage gibt es in der Schule mehr als 150 Schüler, die in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildet werden: Maler, Maurer, Bäcker etc.


So gesehen kann man feststellen, dass das Schulwesen in Klein Döbern eine langjährige Tradition hat. Interessanterweise war die Sprache, die im Alltag oder in der Schule gesprochen wurde, nicht immer einheitlich. So hat man vor dem 20. Jahrhundert überwiegend das schlesische Dialekt benutzt, obwohl man sehr gute Deutschkenntnisse besaß. In der Schule wurde auf Deutsch unterrichtet. Die Generation, die nach dem Ersten Weltkrieg geboren wurde, verbindet man vor allem mit dem Wasserpolnischen: "Es war nicht Polnisch, sondern Wasserpolnisch. Man hat sich der Sprache angeschlossen. Es kamen verschiedene deutsche Sätze hinzu, aber auch mit dem Polnischen verbunden. Wer klug war, der wusste in welcher Situation man welche Wörter benutzen sollte. Seit 1933 musste man in der Schule Deutsch sprechen. Wasserpolnisch war verboten." Die Generation der Urgroßeltern hat die ersten Erfahrungen mit Deutsch im Elternhaus gemacht. Erst in der Schule haben sie ihre Deutschkenntnisse ergründet: "In der Schule haben wir auf Deutsch gelernt. Zu Hause wurde immer Schlesisch gesprochen. Man nannte uns "Wasserpolaken", weil wir Polnisch, so wie heute, nicht benutzt haben. In der Kirche gab's eine polnische- und eine deutsche Messe. Die Eltern und Großeltern konnten Deutsch sprechen aber sie haben mit uns Schlesisch gesprochen. Das damalige schlesische Dialekt hat sich vom heutigen nicht unterschieden. Meine älteren Geschwister haben mehr Deutsch verwendet, weil sie in den Büros, wo sie gearbeitet haben, die deutsche Sprache benutzen mussten. Sie haben auch deutsche Bücher gelesen (...). Mit Deutsch wurde man schon in der Kindheit konfrontiert."  Seitens der Kirche gab's eine Einigung auf das polnische- und das deutsche Gottesdienst: "Es gab immer Sonntags früh eine deutsche Messe mit deutscher Ansprache." Anhand dessen sieht man, dass die polnische- und deutsche Kultur seit vielen Jahren zusammen fungiert haben. Seit 1933 durfte man in der Schule nicht mehr Schlesisch sprechen. Es wurde Deutsch von der NS-Diktatur verlangt. Die Schlesier haben die Polen, die im Dorf wohnten nur schlecht verstanden, weil sie die polnische Sprache nur bedingt kannten: "(...) 1943 gab's im Dorf ein paar polnische Arbeiter, die z.B. bei den Bauern gearbeitet haben. Ich stand mit meinen Cousins an der Straße Da kam einer mit dem Fahrrad angefahren und er rief: ,Chłopaki rower mi się zepsuł, łańcuch mi spadł'. Wir fragten uns gegenseitig: ,Rower?', ,Łańcuch?' Wir kannten schließlich nur die Wörter: ,Koło', oder ,Fahrrad' und ,Kette'. Wir haben gelacht, weil wir nicht wussten, was es bedeutet. Nach dem Krieg haben wir uns langsam an die polnischen Begriffe gewöhnt." Es war zwar schwer das Polnische nach dem Zweiten Weltkrieg zu benutzen, doch es war aufgrund der kommunistischen Diktatur notwendig. Viele haben sich damit schwer getan. Die Sprache ist ja schließlich der Ausdruck des eigenen Ich, mit dem man sich identifiziert. Unsere Eltern haben russisch gelernt. Nach 1989 konnte man langsam aber sicher an die Neuanfänge nach der schlimmen Zeit des Regimes denken. Heutzutage benutzen die Jugendlichen mindestens drei Sprachen. In den Schulen wird über die kulturelle Vielfalt verschiedener Nationen gelernt. Das schlesische Dialekt wird weiterhin im Alltag benutzt. Schlesien gilt als eine Brücke zwischen den neuen und alten Ländern der EU. Die Vielfalt der benutzten Sprachen zeugt von der fortschreitenden Verständigung und Vielfältigkeit der Kulturen, die seit Jahrhunderten auf den Gebieten Schlesiens anwesend waren.


Das Herz sprechen lassen
Zur Geschichte und Tradition des Ortes Klein Döbern
Marek Gross 2004 r.

 

 
 
Admin Konrad K.